Wozu Tipps für pflegende Angehörige?
Weil auch Sie wichtig sind: Pflege Tipps und Tricks, die entlasten
Nicht alles im Pflegealltag lässt sich mit Anträgen, Formularen oder Hilfsmitteln lösen. Manchmal braucht es einfache, schnelle Tipps für pflegende Angehörige – aus dem echten Leben.
Ob eine Mülltüte als Rutschhilfe beim Umlagern im Bett oder ein Handtuchgriff für mehr Halt beim Umsetzen – es sind oft die kleinen Tricks, die den Alltag spürbar erleichtern.
Hier finden Sie genau 8 solcher Pflege Tipps und Tricks: unbürokratisch, kreativ und direkt aus der Praxis pflegender Angehöriger. Für Momente, in denen es einfach funktionieren muss.
Tipp 1: So gelingt Hochrutschen im Bett
Gleiten mit rutschfester Napfunterlage als Hilfe
Wenn die pflegebedürftige Person noch etwas Kraft in den Beinen hat, aber beim Hochrutschen im Bett mit den Füßen wegrutscht, hilft ein einfacher Trick:
So geht’s:
Warum das funktioniert:
Ein fester Kontaktpunkt der Füße ist entscheidend für Stabilität beim Hochrutschen. Die Napfunterlage ersetzt hier clever eine teure medizinische Anti-Rutsch-Matte.
Tipp 2: Hilfsmittel zum Hochziehen im Bett
Hinsetzen mit Gürtel oder Stoffleiter
Wenn das Aufrichten im Bett schwerfällt, weil die Beinmuskulatur zu schwach ist, der Oberkörper aber noch Kraft hat, kann ein einfacher Gürtel oder eine Stoffleiter zur echten Hilfe werden.
So geht’s:
Vorteil:
Diese Methode nutzt vorhandene Kraft sinnvoll – und schont Rücken und Nerven auf beiden Seiten.
Tipp 3: Aufstehhilfe Bett Rollstuhl / Transfer Rollstuhl Bett
Mit einfachem Müllsack anstatt Rutschbrett für Rollstuhl
Wenn das Umsetzen vom Bett in den Rollstuhl schwerfällt, weil der Patient das Gesäß nicht ausreichend anheben kann, hilft dieser clevere Trick:
So geht’s:
Vorteil:
Der Patient kann sich auch im Rollstuhl mikrobewegen und es können so ggf. Druckstellen vermieden werden.
Achtung bei hohen Temperaturen:
Die Mülltüte fördert das Schwitzen und kann einen Hitzestau verursachen.

Tipp 4: Schutz für das Bettgitter
Schwimmnudel gegen blaue Flecken
Offene Schienbeine, blaue Flecken oder ständiges Anstoßen an harten Bettgittern sind nicht nur schmerzhaft, sondern auch unnötig – vor allem, wenn einfache Mittel Erleichterung bringen. Eine clevere, kostengünstige Lösung: die gute alte Schwimmnudel.
So geht’s:
Vorteil:
Die Schwimmnudel wirkt wie ein weiches Polster, reduziert Druckstellen und Verletzungen – und sorgt für mehr Komfort und Sicherheit im Bett.
Tipp 5: Haare waschen bei Bettlägerigkeit
Wieder frisch mit einer einfachen Mülltüte
Frisch gewaschene Haare tun gut – auch wenn der Mensch das Bett nicht verlassen kann. Mit ein paar Handgriffen und einer einfachen Mülltüte wird die Haarwäsche im Liegen selbst bei Bettlägerigkeit möglich. Ohne großes Umziehen, sauber und sicher.
So geht’s:
Vorteil:
Diese Methode ermöglicht eine gründliche und entspannte Haarwäsche direkt im Bett, ohne das gesamte Bett nass zu machen. Einer meiner besten Tipps für pflegende Angehörige und bettlägerige Pflegebedürftige.

Tipp 6: Richtiges Anfassen ohne Rückenschmerzen
Rückenschmerzen in der Pflege vorbeugen
Oft entstehen Rückenschmerzen in der Pflege nicht durch zu wenig Kraft, sondern durch falsche Haltung und ungeschickte Handgriffe. Wer weiß, wo und wie man anfasst, kann sich selbst und dem Pflegebedürftigen viel erleichtern. Schonen Sie Ihren Rücken und gewinnen Sie an Sicherheit!
So geht’s:
Beispiele für richtiges Anfassen im Pflegealltag
Beim Hochhelfen aus dem Bett oder Stuhl:
Nie unter die Achsel greifen!
Stattdessen: Greifen Sie mit Ihrem Unterarm unter den Unterarm des Patienten.
Ihre Hand umfasst dabei den Bereich unterhalb des Ellenbogens.
Der Patient kann Ihren Arm als stabile Auflage nutzen.
Ergebnis: weniger Zug, mehr Fläche, weniger Kraftaufwand
Beim Drehen im Bett:
An der Hüfte und am Schulterblatt greifen, nicht an Armen oder Beinen
Wenn möglich: Patient stellt das Bein auf der Gegenseite auf – das bringt Schwung
Optional: Knie statt Hüfte greifen, um besser zu drehen.
Vorteil: Diese Techniken sind nicht nur rückenschonend, sondern geben dem Patienten auch ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität – und verhindern unabsichtliches Ziehen, Zerren oder Stürzen.
Tipp 7: Aktivierende Pflege
Patienten selber machen lassen, auch wenn es länger dauert
Plötzlich geht nichts mehr so wie früher. Das verändert nicht nur den Alltag, sondern auch das Selbstwertgefühl eines Menschen. Schnell neigt man als Angehöriger dazu, alles zu übernehmen – aus Liebe, aus Fürsorge, aus Zeitdruck. Doch genau darin liegt eine große Gefahr: Selbst kleine Handgriffe wie das Zurechtrücken im Bett oder das Halten der Zahnbürste können verloren gehen, wenn man sie zu oft abnimmt.
Die aktivierende Pflege setzt genau hier an: Sie hilft dem Pflegebedürftigen, mitzumachen – in seinem Tempo, mit seinen Möglichkeiten. Das mag länger dauern, aber es bewahrt Selbstständigkeit, trainiert Fähigkeiten und gibt das Gefühl, gebraucht zu werden.
So geht’s:
Vorteil:
Aktivierende Pflege stärkt das Selbstwertgefühl, erhält die Selbstständigkeit und schont gleichzeitig die Kraft der pflegenden Angehörigen.

Tipp 8: Routinierter Ablauf
Sicherheit durch Struktur
Struktur schafft Sicherheit – besonders für Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Demenz oder nach einem Schlaganfall. Ein klarer, routinierter Tagesablauf hilft dabei, sich zu orientieren. Er schenkt Stabilität und stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
So geht’s:
Vorteil:
Routinen fördern das Erinnerungsvermögen, erleichtern die Orientierung und helfen dabei, Handlungen selbstständig auszuführen – auch mit kognitiven Einschränkungen.
Fazit
Kleine Kniffe – große Wirkung im Pflegealltag
Pflege muss nicht perfekt sein – aber sie darf praktisch, klug und alltagstauglich sein.
Ob Müllsack statt Gleitmatte, Napfunterlage als Rutschhilfe oder einfache Grifftechniken: Es sind oft die kleinen Tricks, die den Alltag spürbar erleichtern, Verletzungen vorbeugen und allen Seiten mehr Selbstständigkeit und Sicherheit schenken.
Denn gute Pflege entsteht nicht nur durch große Entscheidungen, sondern durch mitgedachte Lösungen im Kleinen.
Und genau die machen aus Belastung manchmal wieder ein Stück Lebensqualität.
Mehr Tipps für pflegende Angehörige?
Ich unterstütze Sie Schritt für Schritt bei der Pflege Ihrer Liebsten. Ob Alltagstipps oder Hilfe bei Formularen und Anträgen – ich bin für Sie da! Wichtig ist, dass Sie diese schwere Zeit nicht alleine durchstehen müssen.
Für einen strukturierten Einstieg in das Thema Pflege empfehle ich Ihnen auch meinen Artikel „Ihr Leitfaden für die Pflege von Angehörigen – inkl. Checkliste”.
FAQ
Antworten auf häufig gestellte Fragen
Der Blogartikel zeigt einige alltagstaugliche Pflege Tipps und Tricks – besonders rund ums Umlagern, Waschen oder das Sitzen im Bett.
Aber: Pflege im Liegen ist komplex und oft sehr individuell.
Deshalb gibt es noch viele weitere Themen, bei denen ich Sie unterstützen kann, zum Beispiel:
– Hautpflege und Dekubitusprophylaxe (Druckstellen vermeiden)
– Lagern mit Kissen, Handtüchern oder Lagerungshilfen
– Ideen für Beschäftigung und Sinnesaktivierung im Bett
– Tipps für bequeme Haar- und Körperpflege im Liegen
– Essen & Trinken im Bett – ohne Kleckerei und mit Sicherheit
– Toilettengänge & Inkontinenzversorgung diskret und praktisch lösen
– Angehörige entlasten, ohne die Selbstständigkeit zu verlieren
Wenn Sie hierzu mehr wissen möchten, schreiben Sie mir gern. Ich gehe individuell auf Ihre Situation ein – mit Ideen, die zu Ihnen und Ihrem Alltag passen. Denn auch im Bett darf Pflege würdevoll, machbar und menschlich sein.
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