Blog

Tiergestützte Therapie und ihre faszinierende Wirkung auf Pflegebedürftige

Meine besondere Erfahrung

Mein Patient war wie ausgewechselt

Es gibt Momente in der Pflege, die kann man nicht erklären – die kann man nur fühlen. Und mir geht es oft so, wenn Tiere auf kranke Menschen treffen.

Ich will es nicht ganz tiergestützte Therapie nennen, aber ich erinnere mich gut an einen Herren nach einem Schlaganfall. Er war sehr zurückgezogen, weil er auch viele schlechte Erfahrungen gemacht hat, seitdem er den Schlaganfall erlitten hat.

Bis ich mit meiner Hündin zu ihm kam.

Vier Tage lang hat Ava (meine Hündin) ihn beobachtet, ist an sein Bett gegangen, hat geschnuppert und er hat immer auf ihr Bettchen schauen können.

Als er dann am fünften Tag in seinem Rollstuhl saß, passierte was, das ich niemals erwartet hätte: Er lächelte, streckte seine Hand aus. Und sagte: „machen wir mal nen Döööp“ – so wie früher zu seiner Hündin, wenn er ihr auf die Nase getippt hat.

Seitdem war er wie ausgewechselt und fragte bei jedem meiner Besuche, ob ich Ava wieder mit dabeihabe.

Vorteile: Was Tiere in der Pflege bewirken können

Positive Effekte für Körper und Seele

Tiergestützte Therapie nutzt die besondere Verbindung zwischen Mensch und Tier, um körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu fördern.

Die Nähe zu Tieren kann nachweislich:

Sicherheit und Trost vermitteln, einfach durch ihre Anwesenheit

beruhigen bei Panikattacken, ohne etwas einzufordern

Bewegung & Motorik anregen

Erinnerungen aktivieren

emotionale Bindungen stärken

Und ich habe es selbst erlebt, dass oft das ruhige Atmen meines Hundes reicht, wenn große Angst da ist.

Warum auch Angehörige von tiergestützter Pflege profitieren

Ein tierischer Lichtblick im Pflegealltag

Wenn ein Tier den Raum betritt, verändert sich etwas. Die Atmosphäre wird leichter, die Aufmerksamkeit richtet sich auf das Hier und Jetzt – und oft huscht ein Lächeln über Gesichter, die lange ernst waren. Doch tiergestützte Pflege wirkt nicht nur auf die Pflegebedürftigen. Auch Angehörige spüren oft deutlich, wie gut diese besondere Begegnung tut.

Entlastung spüren – ganz ohne Worte
Viele Angehörige erleben ihre Liebsten durch das Tierkontakt plötzlich wieder auf eine ganz neue Weise: wacher, zugänglicher, fröhlicher. Wenn ein Mensch, der sich sonst zurückzieht, plötzlich streichelt, lacht oder spricht, ist das ein Geschenk – und eine Erleichterung. Denn ein entspannter Pflegebedürftiger bedeutet auch weniger Anspannung im Alltag.

Nähe und Verbindung neu erleben
Tiere schaffen Brücken – zwischen Menschen und Momenten. Gerade wenn die Kommunikation schwierig geworden ist, ermöglichen sie stille Begegnungen voller Wärme. Ein gemeinsamer Blick auf den Hund, ein Lachen über das neugierige Meerschweinchen – das sind kleine, echte Augenblicke der Nähe, die Angehörige oft schmerzlich vermissen.

Auch mal durchschnaufen dürfen
Nicht selten sitzen Angehörige während der tiergestützten Stunde einfach nur dabei – und atmen auf. Das Tier bringt Ruhe, Präsenz, manchmal sogar Hoffnung zurück in einen belasteten Pflegealltag. Man darf einfach nur sein, ohne sofort funktionieren zu müssen.

Ein sanfter Anstoß zur Selbstfürsorge
Wer sieht, wie gut das Tier dem geliebten Menschen tut, erkennt oft: Auch ich brauche Zuwendung. Auch ich darf auftanken. Die tiergestützte Pflege erinnert daran, dass Menschlichkeit, Berührung und Freude nicht nur für Pflegebedürftige wichtig sind – sondern für alle, die sich kümmern.

Einsatzbereiche: Therapie mit Tieren in der Pflege

Wie Tiere Pflegebedürftige in schweren Zeiten unterstützen

In der Pflege leistet tiergestützte Therapie wertvolle Unterstützung – emotional, kognitiv und körperlich. Sie ergänzt die klassische Pflege durch Nähe, Struktur und Aktivierung:

Altenpflege & Demenzpflege:

Förderung von Orientierung, Sprache und Erinnerungsfähigkeit

Reduktion von Unruhe, Ängsten und Aggressionen

Aufbau von Vertrauen und emotionaler Stabilität

Aktivierung durch Rituale (z. B. Füttern, Streicheln, Spazierengehen)

Psychiatrische Pflege:

Unterstützung bei Depression, Vereinsamung oder Antriebslosigkeit

Förderung von emotionaler Ausdrucksfähigkeit und sozialem Kontakt

Erleichterung des Zugangs zu therapeutischen Angeboten

Palliativpflege & Hospiz:

Schaffung von Geborgenheit und emotionaler Wärme

Minderung von Angst, Schmerzempfinden und Einsamkeit

Würdevolle Begleitung durch tierische Nähe – besonders in schweren Momenten

Pflege von Menschen mit Behinderung:

Förderung von Wahrnehmung, Kommunikation und Selbstständigkeit

Unterstützung bei motorischen Übungen und Alltagsstruktur

Positive Reize für Menschen mit sensorischen oder kognitiven Einschränkungen

Fazit

Senioren und Tiere – eine tolle Ergänzung

Tiergestützte Therapie ist kein Ersatz für Pflege, aber in meinen Augen eine tolle Ergänzung. Nicht alles wird gut, aber manches vielleicht leichter. Ein Tier ist eine Verbindung zum Patienten, die man oft als Pflegekraft eben nicht mehr erreicht.

Und ich kann für meinen Teil sagen, meine Hündin ist die beste Geschäftspartnerin, die ich mir wünschen kann und auch für mich ganz oft Therapie!

Wünschen Sie sich mehr Unterstützung und Entlastung für den Pflegealltag?

Dann lassen Sie uns ganz unverbindlich ins Gespräch kommen. Oft reicht schon ein kurzer Austausch, um wieder einen klaren Blick zu bekommen.

Für einen Rundum-Blick auf das Thema Pflege empfehle ich Ihnen meinen Artikel „Ihr Leitfaden für die Pflege von Angehörigen – inkl. Checkliste”. Dort finden Sie einen strukturierten Einstieg inkl. kostenloser Checkliste.

FAQ

Antworten auf häufig gestellte Fragen

Tiergestützte Therapie ist eine zielgerichtete, fachlich geleitete Maßnahme, bei der Tiere therapeutisch eingesetzt werden, um Menschen in ihrer körperlichen, seelischen oder sozialen Entwicklung zu fördern. Die Therapie wird von speziell geschulten Fachkräften durchgeführt – z. B. Ergotherapeuten, Psychologen oder Pädagogen – in Kombination mit ausgebildeten Tieren.
Tiergestützte Therapie ist therapeutisch fundiert, an konkrete Ziele gebunden und findet im Rahmen einer Therapieeinheit statt.
Tiergestützte Pflege ist unterstützend im Pflegekontext (z. B. zur Aktivierung bei Demenz).
Besuchsdienste mit Tieren bieten Kontakt und Freude, aber keine gezielte therapeutische Wirkung.
Tiergestützte Pflege ist in der Regel ein zusätzliches Angebot und wird nicht standardmäßig von der Pflegekasse bezahlt.
Einige Einrichtungen integrieren es über Spenden oder Fördergelder. In der häuslichen Pflege kann es ggf. über Entlastungsleistungen (§45b SGB XI) abgerechnet werden.

Wenn Sie möchten, helfe ich Ihnen, dies mit der Pflegekasse zu klären.
Ja, grundsätzlich ist das möglich – meine Hündin begleitet mich in ausgewählten Fällen sehr gerne, zum Beispiel bei Begegnungen mit Pflegebedürftigen, die besonders von tierischer Nähe profitieren.

Allerdings: Solche Besuche brauchen etwas Vorlaufzeit und eine sorgfältige Abstimmung, damit sie wirklich sinnvoll und heilsam sind – für den Menschen genauso wie für das Tier.

Wenn Sie sich einen Besuch mit tierischer Unterstützung wünschen, sprechen Sie mich gern frühzeitig an. Ich prüfe dann individuell, ob ein gemeinsamer Termin vor Ort möglich und sinnvoll ist – und ob die Rahmenbedingungen (z. B. Umgebung, Gesundheitslage, Ziel des Besuchs) gut dazu passen.

Wichtig: Meine Hauptarbeit besteht in der Pflegeberatung: empathisch, strukturiert und zuverlässig. Deutschlandweit auch ohne Vor-Ort-Besuch. Ein Hundebesuch ist ein schönes Extra – kein Regelangebot.
Tiergestützte Therapie und ihre faszinierende Wirkung auf Pflegebedürftige